Hollersaft im Dampfgarer

Hollersaft im Dampfgarer /

Sommer-Klassiker mit Holunderblüten – kalt angesetzter Hollersirup, schonend im Dampfgarer haltbar gemacht, für aromatische Sommer-Getränke

Hollerblüte


Hollersaft im Dampfgarer ist die klassisch österreichische Konservierungsmethode für den Sommer-Geschmack: Holunderblüten werden mit Zitrone, Zucker und Wasser kalt angesetzt, dann im Dampfgarer schonend haltbar gemacht. Der charakteristische Holunder-Geschmack mit feiner Zitrusnote ist die Basis für Sommer-Schorlen, Spritzer, Cocktails und Eis-Kreationen. Ein perfekter Aprilluft-Klassiker mit langer Haltbarkeit von 1+ Jahr.

Hollersaft im Dampfgarer
Hollersaft im Dampfgarer einkochen

Zutaten für ca. 5-6 Liter Hollersirup
  • 30-40 Holunderblütendolden (frisch geerntet)
  • 2 unbehandelte Bio-Zitronen
  • 2-3 kg Zucker (je nach Süße-Wunsch)
  • 5 Liter Wasser
  • 50 g Zitronensäure (oder 4-5 zusätzliche Zitronen)

Holunderblüten ernten – wichtige Tipps
  • Saison: Ende Mai bis Mitte Juni (kurze Phase!)
  • Wann ernten: An sonnigen Tagen, am späten Vormittag (Tau abgetrocknet)
  • Wo: Abseits von Straßen und Feldwegen (Pestizid- und Abgas-belastet)
  • Welche Blüten: Voll geöffnete, weiße Dolden – nicht beginnend braun
  • Nicht waschen: Aroma sitzt in den Pollen – nur abschütteln
  • Käfer entfernen: Vor dem Ansetzen kleine Krabbler abschütteln
  • Stiele weg: Die grünen Stiele sind leicht giftig (Sambucin) – nur die weißen Blüten verwenden!

Zubereitung – Teil 1: Kalt ansetzen
  1. Holunderblüten vorbereiten: 30-40 frische Dolden in eine große Schüssel oder einen Topf geben.
  2. Zitronen schneiden: Unbehandelte Zitronen in dicke Scheiben schneiden, mit den Blüten in die Schüssel.
  3. Zucker dazu: 2-3 kg Zucker einrieseln.
  4. Zitronensäure: 50 g Zitronensäure einrühren (oder zusätzliche Zitronensaft-Scheiben).
  5. Wasser dazu: 5 Liter kaltes Wasser aufgießen.
  6. Abdecken: Mit Geschirrtuch oder Frischhaltefolie abdecken (nicht luftdicht, da Fermentation möglich).
  7. Ziehen lassen: 2-3 Tage bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Täglich umrühren.
  8. Beobachten: Saft färbt sich gelblich, intensiver Holunder-Duft entsteht.

Zubereitung – Teil 2: Filtern
  1. Sieb mit Tuch: Großes Sieb mit Mulltuch oder feinem Geschirrtuch auslegen.
  2. Durch das Tuch gießen: Sirup durch das Tuch in einen sauberen Topf gießen.
  3. Restliche Blüten ausdrücken: Tuch vorsichtig auswringen → noch mehr Saft.
  4. Verwerfen: Blüten- und Zitronenrest auf den Kompost.

Zubereitung – Teil 3: Im Dampfgarer haltbar machen
  1. Gläser sterilisieren: Saubere Flaschen oder Twist-off-Gläser mit kochendem Wasser ausspülen. Oder bei 100 °C im Dampfgarer 15 Min sterilisieren.
  2. Sirup heiß abfüllen: Bis 1 cm unter den Rand.
  3. Verschließen: Twist-off oder Bügelverschluss, fest verschließen.
  4. Einkochen: Im Dampfgarer bei 100 °C für 15 Minuten.
  5. Auskühlen lassen: Auf einem Tuch, Deckel macht "Plopp" → Vakuum.
  6. Lagerung: Kühl und dunkel 1+ Jahr haltbar.

Hollersaft verwenden
  • Klassisches Hollerspritzer: Mit Sprudelwasser im Verhältnis 1:5 oder 1:6
  • Hollersprudel: Mit Sprudelwasser und frischer Minze + Zitrone
  • Hollersect: Mit Sekt oder Prosecco aufgespritzt
  • Hollerschorle: Mit Apfelsaft 1:1 gemischt
  • In Cocktails: Hollersaft mit Gin oder Wodka als süße Basis
  • Holler-Eistee: Mit kaltem Tee aufgegossen
  • Im Dessert: Über Vanille-Eis, Topfen oder als Hollergelee
  • Holler-Eis: Aus Sirup und Schlagsahne selbstgemachtes Eis
  • Bei Erkältung: Heißer Holunder-Tee (Sirup mit heißem Wasser)
  • Auf Frühstücks-Brot: Wie Marmelade oder Honig

Variationen
  • Mit Limette statt Zitrone: Erfrischender, exotischer
  • Mit weniger Zucker: 1,5-2 kg Zucker (weniger süß, kürzere Haltbarkeit)
  • Mit Orange: Zusätzliche Orangenscheiben für mediterrane Note
  • Mit Minze: 1 Bund frische Minze beim Ansetzen → erfrischender
  • Mit Vanille: 1 Vanilleschote aufgeschnitten dazu
  • Mit Ingwer: Frischer Ingwer geschnitten → würzig-pikant
  • Mit Erdbeeren: 500 g Erdbeeren zusätzlich → fruchtig-rosa
  • Holler-Holunder-Sirup-Kombination: Im Herbst mit dem dunklen Holunderbeeren-Saft mischen
  • Bio-Variante: Mit Rohrzucker statt Kristallzucker
  • Ohne Zitronensäure: Mehr Zitronen verwenden (8-10 statt 2)

Tipps & Tricks
  • Nur die Blüten verwenden: Stiele sind leicht giftig (Sambucin) – sorgfältig entfernen
  • Nicht waschen: Pollen sitzt in den Blüten – Aroma-Verlust beim Waschen
  • Sonniger Tag zum Ernten: Am späten Vormittag, Tau abgetrocknet
  • Unbehandelte Bio-Zitronen: Da die Schale mit gezogen wird
  • Zitronensäure für Frische: Hilft auch bei der Haltbarkeit
  • 2-3 Tage ziehen lassen: Nicht länger – sonst beginnt Fermentation
  • Bei Hefe-Schaum: Wenn obenauf Schaum entsteht, sofort abschöpfen → Hinweis auf Fermentation, schnell verarbeiten
  • Tuch sauber: Frisches sauberes Mulltuch oder Geschirrtuch zum Filtern
  • Gläser gut sterilisieren: Sonst keine lange Haltbarkeit
  • Heiß abfüllen: Direkt aus dem Topf in die heißen Gläser
  • Kein Restwasser im Glas: Nach dem Sterilisieren auskippen und gut trocknen
  • Lagerung optimal: Bei 12-18 °C, dunkel und trocken
  • Nach Öffnen: Im Kühlschrank 3-4 Wochen verwenden
  • Eigene Holundersträucher: Im Garten anpflanzen → auch im Herbst Holunderbeeren-Ernte


Wissenswertes

Holunder (Sambucus nigra) – im österreichischen Volksmund "Holler" – ist eine traditionelle Heilpflanze der mitteleuropäischen Kultur. Schon Hildegard von Bingen empfahl ihn im 12. Jahrhundert bei Erkältungen, Fieber und Verdauungsbeschwerden.

Hollerstrauch im Garten: Der schwarze Holunder ist einheimisch in ganz Mitteleuropa und wächst nahezu überall. Ein Strauch im Garten liefert zwei Mal pro Jahr Ernte: Blüten im Mai/Juni für Hollersaft und Beeren im August/September für Hollerbeerensaft im Dampfentsafter.

Wichtige Vorsicht: Rohe Holunderbeeren und alle grünen Pflanzenteile (Stiele, Blätter) enthalten Sambunigrin, ein cyanogenes Glykosid. Beim Erhitzen (Saftherstellung) wird es zerstört – daher müssen Holunder-Produkte immer einmal gekocht werden. Bei Hollersaft aus den Blüten ist das Risiko geringer, aber das Erhitzen im Dampfgarer ist eine zusätzliche Sicherheit.

Heilwirkung der Holunderblüten: Schweißtreibend, fiebersenkend, schleimlösend → klassisches Hausmittel bei Erkältungen. Im Sommer als Erfrischung, im Winter als wohlschmeckende Medizin.

Für weitere Säfte und Konservierungs-Themen: Hollerbeerensaft im Dampfentsafter, Ribiselsaft, Himbeersaft, Brombeersaft, Erdbeersirup, Tannenwipferl-Hustensaft. Für Konservierung allgemein: Einkochen-Hub. Mehr zum Gerät: Wissenswertes zum Dampfgaren.

Häufige Fragen

Wann ist Holunderblüten-Saison?
Ende Mai bis Mitte Juni – kurze Phase von etwa 3-4 Wochen.

Soll ich Holunderblüten waschen?
Nein – das Aroma sitzt in den Pollen, die durch Waschen verloren gehen. Nur leicht abschütteln, Käfer entfernen.

Sind die grünen Stiele giftig?
Ja, leicht – sie enthalten Sambunigrin. Nur die weißen Blüten verwenden, Stiele sorgfältig entfernen.

Warum 2-3 Tage ziehen lassen?
Aroma und Farbe entwickeln sich. Nicht länger – sonst beginnt Fermentation.

Warum Zitronensäure?
Frischer Geschmack + Konservierungswirkung. Macht den Sirup länger haltbar.

Wie lange ist Hollersaft haltbar?
Geschlossen 1+ Jahr, geöffnet 3-4 Wochen im Kühlschrank.

Was tun, wenn sich Schaum oben bildet?

Sofort abschöpfen und Sirup verarbeiten – Hinweis auf beginnende Fermentation.

Welche Flaschen verwende ich?
Twist-off-Gläser, Bügelflaschen oder Glasflaschen mit Schraubverschluss – alle hitzebeständig.

Wie verdünne ich Hollersaft?
1:5 oder 1:6 mit Sprudelwasser für klassisches Hollerspritzer. Nach Geschmack anpassen.

Kann ich auch Holunderbeerensaft machen?
Ja – aber anders! Holunderbeeren werden im Dampfentsafter im Herbst (August-September) verarbeitet. Siehe Hollerbeerensaft.

 




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